Leitmotiv Teilhabe

zitiert aus: DFB (2011). Integration von A-Z. Frankfurt/Main: Deutscher Fußball Bund. S.148f

Definition:

Teilhabe und gleichbedeutend Partizipation bezeichnen die freiwillige und aktive Beteiligung von Bürger/innen am sozialen, kulturellen und politischen Leben einer Gesellschaft. Teilhabe wird zuweilen einseitig als politische Teilhabe, zum Beispiel durch die Teilnahme an Wahlen, missverstanden. Gesellschaftliche Teilhabe muss jedoch nicht zwingend direkte politische Ziele verfolgen und umfasst unterschiedliche Bereiche wie beispielsweise Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheitsvorsorge, Politik, Sport oder Kultur. Allerdings wirken die Bürger/innen durch ihre aktive Teilhabe indirekt an politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen und der Gestaltung des gemeinschaftlichen Zusammenlebens mit. Teilhabe ist für den Einzelnen und für die Gesellschaft nützlich, weil sie nachhaltig ist, einen sozialen Mehrwert schafft und durch Interaktion gegenseitiges Vertrauen fördert. Für eine lebendige Demokratie, die sich nicht bloß auf politische Wahlen beschränkt, ist Teilhabe ein wichtiges Instrument um Chancengleichheit und Gerechtigkeit zu verwirklichen.

 

Gesellschaftliche Bedeutung:

Moderne Gesellschaften setzen sich aus vielen kleinen und großen Einzelteilen zusammen, die von den Bürger/innen gestaltet werden. Gesellschaftliche Teilhabe erfolgt deshalb auf ganz verschiedene Weisen, zum Beispiel durch den persönlichen Einsatz in der Nachbarschaft, die Mitwirkung im Schülerrat, durch bürgerschaftliches Engagement, durch die Arbeit in einem Kulturverein, durch wirtschaftliche Interessensverbände, Religionsgemeinschaften oder politische Parteien. Die Vielfalt der Beteiligungsmöglichkeiten sagt viel über den Zustand einer Gesellschaft aus, denn sie bestimmt den kulturellen und politischen Pluralismus einer Demokratie.

Teilhabe schafft Anerkennung und stärkt das Gefühl der Zugehörigkeit. Das Ziel von Integration ist es, allen Bürger/innen mit Migrationshintergrund, eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Teilhabe ist allerdings auch von rechtlichen und kulturellen Zugangsvorrausetzungen abhängig. Deutsche Staatsbürger/innen haben die meisten Rechte und Möglichkeiten zur Teilhabe in Deutschland. Aber auch ohne die deutsche Staatsbürgerschaft ist das Engagement in Initiativen, Vereinen und Institutionen genauso möglich, wie die Gründung eigener Vereine etwa.

Soziale Diskriminierung, beispielsweise aufgrund der Herkunft oder des Geschlechts, beeinträchtigt die Teilhabe. Zudem kann es kulturelle und soziale Zugangsvorrausetzungen geben, die vielen „nichtetablierten“ Mitgliedern der Gesellschaft eine chancengleiche Teilhabe erschweren. Dazu gehören die Fähigkeiten im Umgang mit der Sprache, aber auch ein Verständnis für die Regeln und Kultur der Gesellschaft. Nachhaltige Integrationsförderung erfordert einerseits die Beihilfe zum Erwerb individueller Kompetenzen durch Bildungsangebote und anderseits die Verringerung von Einstiegshürden mit Hilfe niedrigschwelliger Angebote.

 

Bedeutung für den Fußball:

Fußball wird als „Integrationsmotor“ bezeichnet, weil dieser Sport scheinbar einfache Einstiegsmöglichkeiten bietet. Fußball, als weltweite Sportart Nr. 1 spricht eine große Zielgruppe an, die Ausrüstung ist kostengünstig, das Regelwerk einfach und auch die Sprache ist keine wesentlicher Hinderungsgrund. Das Ziel von Integration in den Fußball ist es daher, Menschen mit Migrationshintergrund, die bisher noch nicht aktiv waren, zum Mitmachen zu ermutigen.

Insbesondere Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund sind in den Vereinen als Ehrenamtliche und Spielerinnen noch deutlich unterrepräsentiert, da Berührungsängste gegenüber dem Sport generell und gegenüber dem undifferenziert als „Männersport“ bezeichneten Fußball im Speziellen bestehen. Vereine sollten daher versuchen, mögliche kulturelle Hürden abzubauen und sich gegenüber bestimmten Bedürfnissen, die im Gespräch schnell festgestellt werden können, offen zu zeigen. Möglicherweise unterschiedlichen Sporttraditionen, Körperverständnissen oder religiösen Vorschriften sollte Beachtung geschenkt werden. Vereine sind Kommunikationsplattformen zwischen Aufnahmegesellschaft und den Menschen mit Migrationshintergrund. Im Idealfall bieten Sportvereine Räume für persönliche Entfaltung, Interaktion und soziale Integration.

 

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