Jedes Mädchen soll die Chance haben, einmal gegen den Ball zu treten

Als ich vor einigen Jahren das erste Mal mit dem Kicking-Girls-Projekt in Kontakt kam, hat mich besonders begeistert, dass es sich um ein reines Mädchenprojekt handelt. Endlich einmal gab es ein Fußballprojekt, in dem Mädchen nicht „selbstverständlich auch mitmachen können“, sondern explizit angesprochen werden.

Nun bin ich bereits seit dem Jahr 2011 als hauptamtliche Mitarbeiterin bei den Kicking Girls beschäftigt und stelle in der Praxis immer wieder fest, dass gerade dies auch nach wie vor eine wichtige Komponente im Projekt ist. Die kickenden Mädchen geben mir regelmäßig die Rückmeldung, dass sie sich in einer gemischtgeschlechtlichen Fußball-AG einfach nicht getraut hätten, mit dem Fußballspielen zu beginnen.

Und auch aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es sein kann, als Mädchen in eine „Jungendomäne“ einzubrechen. Da ich aus einer Generation stamme, in deren Kindheit es den Frauenfußball offiziell erst recht kurz gab und das vom DFB verhängte Verbot gerade erst aufgehoben wurde, gab es noch kaum reine Mädchenteams.

Wie so manch andere Mädchen auch, war ich als einziges Mädchen unter vielen Jungen ständig dem Leistungsvergleich mit diesen unterzogen und musste mir auch vom (männlichen) Trainer unangenehme Sprüche über den Frauen- und Mädchenfußball gefallen lassen. Umso mehr freut es mich, dass ich nun im Rahmen des Kicking-Girls-Projektes die Möglichkeit habe, auf die Mädchen und ihre Bedürfnisse einzugehen und dadurch vielen die Teilhabe ermöglichen zu können.

Häufig kommen Mädchen das erste Mal in die AG-Stunde und haben wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Mit Begeisterung registriere ich die Veränderung, nachdem diese Mädchen die erste Turnierteilnahme mit ihrem Team hinter sich haben: Sie haben ein wesentlich selbstbewussteres Auftreten und nehmen die eigenen Stärken viel mehr wahr.

Aus den Schulen bekomme ich häufig die Rückmeldung, dass sich nun auch die Mädchen den Bolzplatz erobern – gemeinsam mit den Jungen kicken sie, wo sie noch vor kurzem nur zugeschaut haben.

Mit den eigenen Erfahrungen aus meiner Kindheit ist es mir wichtig, dass ich jedem Mädchen unabhängig von der sozialen Herkunft, der religiösen Zugehörigkeit oder des persönlichen Könnens die Chance geben kann, das Fußballspielen einmal auszuprobieren.

Und genau darum geht es für mich bei den Kicking Girls, wir spielen gemeinsam Fußball, jede darf mitmachen, wir sind überhaupt nicht leistungsorientiert und am Ende kann jedes Mädchen ganz individuell entscheiden, ob sie auch in Zukunft gegen den Ball treten möchte.

Kerstin Pößiger, Mitarbeiterin des Instituts „Integration durch Sport und Bildung“ e.V.

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