Konzeption der Kicking Girls

Unsere Leitmotive

Die globalen Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDG´s)

Mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung drückt die internationale Staatengemeinschaft ihre Überzeugung aus, dass sich die globalen Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Das Kernstück der Agenda bildet ein ehrgeiziger Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Die 17 SDGs berücksichtigen erstmals alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Soziales, Umwelt, Wirtschaft – gleichermaßen. Die 17 Ziele sind unteilbar und bedingen einander. Ihnen sind fünf Kernbotschaften als handlungsleitende Prinzipien vorangestellt: Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft. Im Englischen spricht man von den „5 Ps“: People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership(Quelle)

Das Kicking Girls Programm unterstützt diese Gedanken und Vorhaben. Für den Sport und insbesondere für die Kicking Girls können 4   Ziele ausgemacht werden, die von besondere Relevanz sind. Nachfolgend erläutern wir die Bedeutung und unser Verständnis dieser Ziele genauer.

 

Vier Projektstufen einer gelingenden Integration

In einem Stufenmodell lassen sich einige der Ziele des Projektes darstellen. Vorrangiges Ziel ist es zunächst, Mädchen in Bewegung zu bringen, durch gemeinsame Erlebnisse (z. B. Turniere) ein dauerhaftes Interesse für Sport und Bewegung zu wecken und Impulse für persönliche Entwicklungsprozesse zu geben. Fußball spielende Mädchen sind in Grundschulen in ‚sozialen Brennpunkten‘ nicht selbstverständlich. Die wesentlich fußballerfahreneren Jungen dominieren den häufig viel zu kleinen Bolzplatz und geschlechtsheterogene Fußball-AGs. Erst durch das Üben und Trainieren in einer geschlechtshomogenen Fußball-AG können auch sportferne Mädchen erreicht werden. Der Sport im Schutzraum Schule normalisiert dabei das Verhältnis zum Fußball als männlich konnotierter Sportart und generiert Vertrauen auf Seiten der Eltern. Ihr Einverständnis und ihre Unterstützung sind entscheidend für die weitere Bewegungsbiografie der Kinder.

Das Mitspielen im schulischen Umfeld ist dabei auch eine Vorbereitung auf den Vereinssport. Der Übergang ist jedoch für viele migrantische Mädchen kein Selbstläufer, sondern muss begleitet und organisiert werden. Klassenturniere, Schul-AGs oder Vereinsgruppen bieten vielfältige Partizipationsmöglichkeiten für junge Menschen und die Gelegenheit, Freude an der Übernahme von ersten Aufgaben bei der Betreuung von jüngeren Kindern zu gewinnen. Ihr Einsatz ist aber nur erfolgreich, wenn sie Unterstützung durch die Erwachsenenwelt finden. Soziales Engagement im Fußball erfordert Coaching durch Vertrauenspersonen und Strukturen, die Schule und soziales Engagement miteinander vereinbar machen. Durch die Gewinnung von Multiplikator/innen im Stadtteil werden im sozialen Umfeld der Mädchen neue Möglichkeiten und nachhaltige Strukturen geschaffen. Ausbildungen im Sozialraum scheinen ein geeigneter niedrigschwelliger Rahmen zu sein, um junge Frauen mit Migrationshintergrund zu motivieren und zu qualifizieren. Als sportliche wie soziale Vorbilder wirken sie in die AGs zurück.

Stufe 1

Partizipation in Mädchenfußball-AGs und Turnieren

Institutionen: Schule in Kooperation mit dem Sportverein

Merkmale: geschlechtshomogene, niederschwellige Trainingsgruppen

Ziele: Teilhabe, Anerkennung, Interesse an Sport

Stufe 2

Mitspielen in Fußballvereinen

Institution: Sportverein

Merkmale: leistungsorientierter, regelmäßiger Trainings- und Spielbetrieb

Ziele: langfristige Sportteilhabe, Teamfähigkeit fördern

Stufe 3

Ausbildung zum COACH und Engagement in Übungsgruppen

Institutionen: Schule und Sportverein, weitere außerschulische Institutionen

Merkmale: Mitwirken in Schul-AGs, Vereinsmannschaften, Turnieren und Camps

Ziele: erste Übernahme von Aufgaben und Verantwortung, Peer-Teaching

Stufe 4

Selbstständige Leitung von Übungsgruppen

Institutionen: Schule und Sportverein

Merkmale: eigenständige Leitung von Schul-AGs und Vereinsmannschaften

Ziele: freiwilliges Engagement, eigenverantwortliches Handeln, Übernahme einer Vorbildfunktion

Die Projekt-Bausteine

Fußball-AG

Über die Schulen kann es gelingen, auch migrantische Mädchen für den Fußballsport zu begeistern und in Kooperation mit Vereinen Wege in den organisierten Sport aufzuzeigen.

Fußball-Turniere

Über Schulwettbewerbe bekommen viele migrantische und sozial benachteiligte Mädchen den Zugang zum Fußballspiel und können sich dort mit anderen Kindern messen und vergleichen.

COACH-Ausbildung

Besonders weibliche Übungsleiter werden in vielen Schulen und Vereinsgruppen gesucht, um der Fußballbegeisterung der Mädchen begegnen zu können.

Fußball-Camps

Ein- oder mehrtägige Camps ermöglichen es, Gemeinschaft zu erleben und füreinander Verantwortung zu tragen. Die Angebote können von Fußball, Geländespielen und Bastelangeboten bis zu Musikangeboten reichen.

Integriertes Handlungskonzept

Die erfolgreich umgesetzten Bausteine der beschriebenen Projekte stellen ein integriertes Handlungskonzept dar, das sowohl auf der Ebene der Akteure wie der Strukturen ansetzt. Die guten Ergebnisse aus dem Projekt verdeutlichen, dass sich die Projektidee insbesondere dort bewährt hat, wo alle Bausteine realisiert wurden und ineinandergegriffen haben. Das Projekt trägt damit auf verschiedenen Ebenen zur Integrationsarbeit bei: Einmal durch die Entwicklung einer ganzheitlichen Strategie, die sowohl die soziale Öffnung der Angebote in Schulen und Vereinen vorantreibt, um den Anteil von Mädchen mit Migrationshintergrund am Sport zu erhöhen. Aber auch durch Qualifizierungsmaßnahmen und die Ausbildung von jugendlichen Nachwuchstrainerinnen, die Brückenpositionen in den Sport interkulturell neu besetzen und damit die Rahmenbedingungen für den Mädchenfußball verändern. Die Verzahnung der verschiedenen Projektbausteine und der geschaffenen Strukturen sichert dabei die Vernetzung der Akteure auf den unterschiedlichen Ebenen. Die Kicking Girls schaffen damit nicht nur isolierte Angebote, sondern Strukturen, die nachhaltig in den Sozialräumen wirken können.

Sammelband „Fußball ohne Abseits“

Zahlreiche Veröffentlichungen zur Konzeption bieten einen vertiefenden Einblick in die Projektinitiative der Kicking Girls. Der Sammelband “Fußball ohne Abseits” vereint Beiträge aus Wissenschaft und Praxis und erkundet Hintergründe, Konzepte und Wirkungen des Projektes. Er bietet so einen realistischen Blick auf die Integrations-, Bildungs- und Entwicklungspotenziale des Sports.

 Der Inhalt

  • Hintergrund und Konzeption des Projektes
  • Wirkungen und Evaluationsergebnisse
  • Berichte aus der Praxis
  • Sportengagement von Mädchen mit Zuwanderungsgeschichte
  • Integrations- und Inklusionspotenziale des Fußballs
  • Entwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs
  • Qualifizierung und Bildung im Sport
  • Kooperation von Schulen und Vereinen im Ganztag

weitere Veröffentlichungen

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